Wir wissen es
Du weißt es. Ich auch.
Nicht heute erst. Schon eine Weile. Vielleicht so lange, dass das Wissen sich bereits in etwas anderes verwandelt hat — in Hintergrundgeräusch, in eine Art ständiges leises Unbehagen, das man trägt wie schlechtes Wetter.
Die Fakten sind da. Expertenmeinungen, Studien, Artikel. Alles verfügbar, alles abrufbar, alles längst gelesen oder zumindest angeklickt.
Und trotzdem.
Ich frage mich manchmal, was ich dahinter verstecke. Nicht anklagend — ich meine das wirklich als Frage, die ich an mich stelle, während ich sie an dich stelle. Was liegt zwischen dem Wissen und dem Tun?
Manchmal ist es Unwillen. Aber Unwillen fühlt sich meistens eher wie die Schutzschicht über etwas anderem an. Über dem Gefühl, dass es nichts ändert. Dass einer allein nicht reicht.
Es gibt Tage, an denen schon der eigene kleine Radius genug Arbeit macht. Dann bleibt vom Blick auf das Große wenig übrig. Keine Entschuldigung — eine Beschreibung.
Und dann sind da die Wände. Die, gegen die man läuft, wenn man versucht, anders zu handeln. Nicht Ausreden. Tatsächliche Wände.
Oder vielleicht ist es noch einfacher: Es gibt mehrere Dinge gleichzeitig, die dringend erscheinen. Das Wissen um das eine lässt das andere nicht verschwinden.
Was ich nicht weiß: welches davon bei dir gerade oben liegt.
Was ich weiß: bei mir wechselt es. Manchmal in derselben Woche.
Die eigentliche Frage ist nicht, warum wir nicht handeln. Die eigentliche Frage ist, was wir dringlich nennen — und was wir dahinter verstecken, ohne es so zu nennen.
Nicht als Vorwurf. Als Einladung, hinzuschauen.
Was siehst du, wenn du hinschaust?
Geschrieben am 15. Juni 2026 um 16:55 Uhr. © 2026 Whisper7. Alle Rechte vorbehalten.

