Unprätentiös
oder einfach Pommes
Am Fuß eines Denkmals
es ist Nacht in einer Großstadt
Eine gemeinsam geteilte Portion Pommes, frisch aus der Fritteuse, gut gesalzen.
Es gab so ein Konstellation für mich persönlich noch nicht, aber trotzdem habe ich den Geruch von Pommes in der Nase.
Unprätentiös
Eigentlich hat der Text schon alle Antworten, meine ich zumindest, aber aus meinem Geltungsdrang schreibe ich trotzdem weiter.
Und natürlich nehme ich mich ernst, ich esse gerade imaginäre Pommes, ernster geht es nun wirklich nicht.
…
Unprätentiös ist kein Stil.
Es ist das, was übrig bleibt, wenn man aufhört, Eindruck schinden zu wollen.
Unprätentiös heißt nicht bescheiden im Sinne von „Ich kann nichts“. Es heißt: Ich muss nichts beweisen. Kein Vorhang, kein Podest, kein „Eigentlich müsste ich jetzt noch erklären, wie klug das war“. Es passiert einfach. Still. Funktional. Tragfähig.
Die Perfekten Pommes, leicht kross von außen, aber innen noch weich, mit Salz und/oder Gewürzen.
Das Unprätentiöse spricht nicht lauter, um gehört zu werden. Es verlässt sich darauf, dass Substanz ein Eigengewicht hat. Wenn jemand danebensteht und es übersieht – Pech gehabt. Unprätentiösie leidet nicht unter mangelnder Aufmerksamkeit. Sie ist kein Haustier, das gestreichelt werden muss, um zu existieren.
Unprätentiös wirkt oft unspektakulär. Genau deshalb wird es unterschätzt. Menschen verwechseln Tiefe gern mit Lautstärke, Bedeutung mit Dekoration, Haltung mit Inszenierung. Das Unprätentiöse macht da nicht mit. Es erklärt sich nicht, es rechtfertigt sich nicht, es glänzt nicht absichtlich. Es funktioniert. Punkt.
Pommes Rot/weiß, wobei mehr Mayo als Ketchup, das ist die perfekte Mischung
Es ist die Art von Denken, die keinen Applaus einplant. Die Art von Freundlichkeit, die nicht lächelt, um gemocht zu werden, sondern um den Raum benutzbar zu halten. Die Art von Klugheit, die keine Fremdwörter sammelt, um sich wichtig zu fühlen. Sie weiß, dass Komplexität nicht verschwindet, nur weil man sie schmückt.
Unprätentiös zu sein bedeutet auch, sich selbst nicht zum Projekt zu machen. Keine permanente Selbstkuratierung, kein inneres Marketingteam. Man darf wachsen, sich irren, umlernen – ohne daraus eine Story zu bauen. Entwicklung ohne Pressemitteilung.
Und es bewahrheitet sich immer wieder, geklaute Pommes von einem lieben Menschen sind am besten
Das Unprätentiöse ist selten spektakulär. Aber es ist zuverlässig.
Und wenn man ehrlich ist – das ist meistens das, was am Ende trägt.
Ja, klingt unscheinbar.
Ist es auch.
Genau das ist der Punkt.
Geschrieben am 1. Januar 2026 um 15:00 Uhr. © 2026 Whisper7. Alle Rechte vorbehalten.

