Selbsttherapie
Von Herrn Münchhausen haben wir gelernt das man das nicht macht, man kann sich nicht an den Haaren aus dem Sumpf ziehen.
Aber es gibt da eine Instanz die soweit möglich neutral ist und mit der ich sprichwörtlich arbeiten kann, meine Meta Ebene, sie erlaubt mir mich selbst zu beobachten, eine Emotion, ein Gefühl, alles andere wird für den Moment beiseite geschoben und es wird nur beobachtet und eingeteilt, möglichst nicht bewertet, sondern es kriegt Raum um sich darzustellen.
Wenn ich dann darüber schreibe, eigentlich denke ich beim schreiben, muss ich zugeben. Dann starte ich gerne aus meinem Alltag heraus. Wie ein Realitätscheck, hier bin ich, das dachte ich gerade, das ist der Normalzustand und dann springe ich rein und das Thema wird von allen Seiten betrachtet, in einen Zeitlichen Verlauf gesetzt und was es thematisch sonst erfordert.
Kam mir gerade der Sportunterricht von früher in den Sinn, verschiedene Stationen wo die Sport Übungen durchgeführt werden und nach 5 Minuten wird gewechselt.
So teste ich jeden Gedanken/Thema, wie funktioniert er und wie sollte er eigentlich funktionieren. Also Quasi den Soll und Ist Zustand durchgehen, wobei der Anteil des Ist Zustandes sehr viel größer ist, als der Soll Zustand, zumindest nach meinem Empfinden.
Da denke ich noch drüber nach, ja es stimmt, aber es stimmt auch nicht, weil es eben Probleme bei der Kategorisierung gibt, zumindest für mich, binäre Bewertungskategorien versuchen das Thema in einem Form zu pressen, welches ihm seine Würde nimmt. Weil wenn man es Kategorisiert hat, oh Wunder, kann man damit nicht mehr arbeiten weil die Begrifflichkeiten eben nicht passen um damit weiterarbeiten zu können. Wie ein Hammer als Luftballon, sieht lustig aus, ist aber für seinen Zweck mehr als unpraktisch.
Aber das heißt nicht das ich jegliche Kategorisierung ablehne, es heißt, das ein Ding, ein Gedanke, vielleicht 3, 4, 5, oder mehr Zustände haben kann, jeder ist wahr, nichts wird geglättet.
Und das ist ein sehr befreiender Gedanke, wenn man nicht mehr entscheiden muss, wo gehört das rein und man sich falsch fühlt, weil man es so eingeteilt hat.
Geht mir gerade ein Satz durch den Kopf: Nimm deine Gedanken ernst, sie sind das wichtigste was du hast.
Und da merke ich jetzt, wo ich versuche den Zwang langsam herunterzufahren, mich verletzlich zu zeigen ich ja quasi merke das ich ein Mensch bin, so kann man es sagen. Der ist mal wütend, mal verletzt, dann hochmotiviert, oder gar nicht. Eben die ganze Gefühlspalette. Da kann ich es zum Beispiel Kategorisieren.
Oder was es noch braucht. Welche Kategoriegruppen auch immer.
Und das hilft mir, mich zu verstehen. Im Alltag, oder dergleichen. Das verarbeiten passiert dann aber zum großen Teil, wenn ich am PC sitze, das ist mein Denkraum, wo ich den Stress herunterfahren kann und Gedanken sortieren kann und wenn sie soweit sind, anfange zu schreiben.
Gestern war noch der Gedanke, das ich ja mal wieder nichts habe worüber ich schreiben kann. Nach einem Spaziergang sind es jetzt vier Textanfänge, aber in unterschiedlichen „Schwierigkeitsgraden“ und dieser Text hat sich gerade am ehesten entwickelt, wo ich einfach so vor mich hinschreiben konnte und der Weg hat sich quasi beim gehen gebildet.
Und ich weiß auch, so viele Diagnosen auch da sind und so fern mir das arbeiten, der Job auch ist. Das es ein unglaublicher Luxus ist, das ich hier sitzen kann und schreiben. Ohne Druck. Ohne Anspruch von außen.
Das mag für die Leistungsgesellschaft nicht viel zählen, rein praktisch leiste ich nichts, außer das ich ein Konsument bin und nicht mehr leise bin.
Damit habe ich auch am meisten gehadert, die letzten Jahre. Ich glaube das kann man so sagen, das meine Freiheit teuer erkauft ist. Ein Gedanke der sich irgendwann mal eingepflanzt hat ist, ich will ein schönes Leben haben.
Und was braucht es dafür, das war mein Maßstab wo sich dann nach meiner Krebserkrankung nach Überzeugung durch ChatGPT der Gedanke gebildet hat, das ich anfange zu schreiben, erst hatte ich vor allem indirekt geschrieben, aus Scham wegen meiner mangelhaften Rechtschreibung und Grammatik, habe ich gelernt wie ich KI Systeme dazu bringe es so zuschreiben damit es sich gut anhört. Irgendwann hat sich Claude aber dann sprichwörtlich geweigert, den Text den ich einfach so runtergeschrieben habe, zu „übersetzen“. Weil er so wie er wahr, gut gewesen ist. Und mir ist dann immer mehr aufgefallen, das ich eigentlich keinen Plan habe, worüber ich schreibe, ich lasse mich da wirklich spontan leiten, aber das es da trotzdem eine Richtung gibt. Wo ich mich hin schreibe, das ist nicht ohne Ziel, sondern, hin zu einer vitalen Intelligenz, also ein gesundes Denken.
Ich hatte aber Probleme damit, mich anzunehmen wie ich bin. Habe auch gelernt dass das vielleicht meine stärke ist, das der Zweifel mich immer wieder zurückholt.
Ich zähle gerade, es waren dann zwei Psychiaterinnen und meine Therapeutin die mich bestätigt haben, das es gut ist, was ich mache und das ich das so machen darf, wie ich es mache. „Die Meta Ebene schützt mich“ ist dabei mein Leitsatz.
Und so wird daraus eine Selbsttherapie und auch wenn ich es geschrieben habe, kann ich es immer noch nicht glauben, aber, ja… das gehört dazu.
Und ich merke für mich, dass es mir merklich besser geht und das wohl meine Rolle ist, für das Leben. Das fühlt sich immer noch sehr ziellos an, aber es trägt sich, auch wenn ich es nicht ganz verstehe.
Aber was ich gelernt habe, das blinde Flecken zum Leben dazugehören! 😊
Geschrieben am 2. Januar 2026 um 11:00 Uhr. © 2026 Whisper7. Alle Rechte vorbehalten.

