Dein Raum
Dein Raum wird genommen, weil er sich sicher fühlt.
Er betritt ihn nicht vorsichtig, nicht tastend, nicht fragend.
Er kommt hinein, als wäre es schon immer auch seiner gewesen.
Er lässt seine Tasche fallen, seine Worte, seine Launen.
Er setzt sich hin, wo du sonst sitzt.
Dein Raum wird enger, ohne dass eine Wand verrückt wird.
Die Luft bleibt gleich, aber sie gehört dir weniger.
Deine Bewegungen werden kleiner, deine Sätze kürzer.
Du beginnst zu planen, bevor du sprichst.
Du beginnst zu schweigen, bevor du denkst.
Er zeigt seinen Schrecken, weil er sich sicher fühlt.
Nicht im Schatten, sondern im Hellen.
Nicht heimlich, sondern mitten im Alltag.
Die Stimme wird lauter, die Hand ungeduldiger, der Blick härter.
Er probiert aus, wie weit er gehen kann.
Dein Raum merkt sich das.
Der Stuhl, auf dem du sitzt.
Die Tür, die nicht mehr nur Tür ist, sondern Grenze.
Der Tisch, an dem Diskussionen nicht mehr beginnen, sondern beendet werden.
Die Wände, die nichts sagen und doch alles wissen.
Es sieht von außen aus wie ein Zimmer.
Von innen ist es ein Feld, das langsam abgesteckt wird.
Ein Stück nach dem anderen.
Bis du irgendwann am Rand stehst
und dich fragst, wann genau du die Mitte verloren hast.
Geschrieben am 05. April 2026 um 22:15 Uhr. © 2026 Whisper7. Alle Rechte vorbehalten.

