Nachts ein Traum. Merkwürdig. Man weiß nicht, was er wollte. Am Morgen ist er weg, fast weg, ein Rest bleibt hängen wie Nebel an den Fingern.
Dann eine Erinnerung. Ploppt auf. Ungefragt. Man schaut sie an. Fragt sich: ja? Und? Was soll ich damit.
Sorgen. Auch die kommen ungefragt. Ängste genauso. Keine Einladung nötig. Sie sind einfach da, mitten im Kaffeekochen, mitten im Zähneputzen, mitten im Nichts.
Was war das noch, das ich nicht vergessen wollte. Weg. Genau in dem Moment, wo ich es festhalten wollte, weg.
So sieht er aus, der Alltag. Kein großes Drama. Kleine Fragmente. Ständig.
Und dann die Angebote. Es gibt sie zuhauf.
Ein Markt. Riesig. Für jedes Fragment eine Lösung. Für jede Sorge ein Kurs. Für jede Angst eine App. Zahlungspflichtig, versteht sich. Der Markt liebt Fragmente. Fragmente lassen sich gut verkaufen.
Daneben, echter, ernster: Therapeuten. Menschen, die zuhören wollen. Die fragen, statt zu verkaufen. Ein Unterschied, der zählt.
Und dann noch etwas anderes. Ein Wort. Ein Stempel.
Der Psycho. Psycho-Quatsch. So einer, ja der spinnt. Der hat wohl ‘nen Knall.
Ein Wort, das nichts erklärt. Es entwertet nur. Bevor irgendwas verstanden wird, ist es schon abgestempelt. Fertig. Ab in die Ecke.
Alles gleichzeitig da. Bedingungen. Angebote. Handlungsempfehlungen. Soziale Standards, wer wie mit sich umzugehen hat. Ein Wust. Kein Durchblick.
Und mittendrin die eigentliche Frage. Klein. Leise. Fast überhört.
Was mache ich jetzt damit.
Mit was setze ich mich auseinander, ernsthaft. Was lasse ich liegen, für heute, für später, vielleicht für immer. Was bin ich bereit zu bearbeiten. Was noch nicht.
Antworten können von außen kommen. Was ich davon aufnehme und womit ich mich auseinandersetze, bleibt bei mir. Das ist der Punkt.
Der Traum bleibt Traum. Die Erinnerung bleibt Erinnerung. Beide fragen nicht nach Erlaubnis, ob sie kommen dürfen. Vielleicht ist das auch gut so. Ich vergesse Dinge, übersehe sie, schiebe sie beiseite. Nicht alles, was in mir geschieht, wartet darauf, dass mein Bewusstsein endlich zustimmt. Manches taucht einfach wieder auf. Nicht alles davon muss etwas bedeuten. Nicht alles muss bearbeitet werden.
Aber vielleicht verdient es zunächst etwas anderes als Abwehr.
Vielleicht Wohlwollen.
Und ich. Ich entscheide, was ich damit mache. Nicht der Markt. Nicht der Stempel. Ich.
So ist er eben. Der Alltag. ☺️
Geschrieben am 13. August 2026 um 18:15 Uhr. © 2026 Whisper7. Alle Rechte vorbehalten.

